Warum sind Krisen ein wichtiger Zeitpunkt für Innovationen?

Fragt man aktuell Unternehmer und Manager nach ihrer größten Herausforderung, so antworten viele von ihnen „Irgendwie über Wasser bleiben“. Dabei wird diese Metapher „über Wasser zu bleiben“ - also wie ein Segelboot auf dem Ozean über Wasser zu bleiben - oftmals einseitig in Richtung Kostenreduzierung umgesetzt. Dabei beinhaltet die Metapher mehr als nur ein „nicht untergehen“. Ein Segelboot nutzt die Kraft von Wasser und Wind, um sich zielgerichtet vorwärts zu bewegen.

 

Hier sind 4 Gründe, warum in diesem erweiterten Verständnis der Metapher gerade in der Krise Innovationen besonders relevant sind:

  • Die Geschichte zeigt uns, dass viele der heute größten und bekanntesten Unternehmen in Krisen entstanden sind, wie z. B. Lego während der großen Depression in den 1930er Jahren oder AirBnB während der Finanzkrise 2007/2008.
  • Gulati, Nohria und Wohlgezogen haben untersucht, welche Strategien Unternehmen während Krisen verfolgt haben und wie sich die Unternehmen nach der Krise entwickelt haben. Von den 83% der Unternehmen, die die Krise überlebten, hatte die überwiegende Mehrheit - 80% - drei Jahre später das Vor-Krisen-Niveau noch nicht wieder erreicht. Nur   9% der überlebenden Unternehmen lagen bei wichtigen finanziellen Parametern über dem vorherigen Niveau und übertrafen die Konkurrenten in ihrer Branche um mindestens 10% in Bezug auf Umsatz- und Gewinnwachstum. Die Unternehmen, die sich nach der Krise am besten entwickelt haben, zeichneten sich dadurch aus, dass sie zwar auch Kosteneinsparungen vorgenommen haben -   dies aber selektiv durch die Konzentration auf operative Effizienz. Darüber hinaus haben diese Unternehmen aber auch zugleich zielgerichtet in ihre Zukunft investiert, z. B. durch Ausgaben für Marketing, Schaffung neuer Vermögenswerte sowie durch Forschung und Entwicklung. 
  • Bill Gross kommt in einer Untersuchung zum Erfolg von Start-ups zu dem Ergebnis, dass der wichtigste Faktor, der den Unterschied zwischen Erfolg und Scheitern eines Start-ups ausmacht, das richtige Timing ist. Das heißt, man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Dass die aktuelle Krise einen solchen Zeitpunkt darstellen kann, zeigt eine Studie von McKinsey. So glaubt 70%  der befragten Führungskräfte, dass durch Covid-19 bedingte Veränderungen zu den größten Wachstumsmöglichkeiten in ihrer Branche gehören.
  • Woraus ergeben sich diese Wachstumsmöglichkeiten? In der Krise ändern sich die Bedürfnisse und das Verhalten von Kunden. In der oben genannten McKinsey-Studie befürchten 85% der Befragten, dass sich die Bedürfnisse ihrer Kunden nachhaltig in den nächsten 5 Jahren verändern. Diese kann zum einen dadurch entstehen, dass Kunden  - ausgelöst durch die Krise - ein besseres Ergebnis beim Kauf bzw. der Nutzung des Produktes erwarten. Beispielsweise möchte man nicht mehr nur Essen oder Einkaufen gehen, sondern sich dabei auch sicher vor Ansteckungen fühlen. Zum anderen sind viele Kauf-  oder Nutzungsprozesse, die wir lange Zeit gewohnt waren, plötzlich unterbrochen. Die Auswirkungen sehen wir beispielsweise bei der Verbreitung von Software-Tools, die uns dabei unterstützen, vom Home-Office aus zu arbeiten, wie beispielsweise Microsoft Teams, zoom oder auch Slack. Das durch die Corona-Pandemie veränderte Kundenverhalten stellt für Unternehmen sowohl eine Chance als auch ein Risiko dar. Je nachdem ob es dem Unternehmen gelingt, sich durch neue Produkte und Dienstleistungen diesen Veränderungen anzupassen bzw. sie zu nutzen.

Zusammengefasst lautet die Schlüsselfrage in der aktuellen Krise nicht, wie wir überleben - d. h. nicht unterzugehen, bis die Krise vorbei ist. Die Schlüsselfrage ist, wie wir lernen, die Krise zu nutzen, um unser Unternehmen voranzutreiben. 

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